Bungy Jumping
Informationen
Bungee-Springen
Der Begriff Bungee-Springen bzw. Bungee-Jumping (engl. to jump
- springen), mitunter auch bungy jumping, bezeichnet eine moderne
Extremsportart,
bei der man sich nur mit einem Gummiseil festgebunden von einer Plattform oder
hohen Gebäuden (z.B.
Brücken
oder speziellen Kränen) im
freien Fall
in die Tiefe stürzt und nur durch ein elastisches
Seil,
das am Körper des Springers und der Absprungplattform befestigt ist, abgefedert
wird und dann auspendelt.
Meist wird Bungee-Springen auf der Suche nach
Adrenalin
praktiziert, selten jedoch auch als Methode zur Überwindung eigener Ängste (vor
allem
Höhenangst).
Die
Redundanz
der Gummibandlänge wird dabei dem Körpergewicht des Springers angepasst. Bei
Sprüngen oberhalb von Wasserflächen wird häufig nach "eintauchen" gefragt. In
Deutschland ist bislang nur ein tödlicher Unfall passiert, im Sommer 2003 an
einer Sprunganlage von Jochen Schweizer am Dortmunder Fernsehturm.

Absprung von einem Kran
Geschichte
Die Wurzeln des Bungee-Kultes liegen in
Vanuatu.
Dort wurden in den 50er Jahren die ersten Filmaufnahmen gemacht. Die Anfänge des
Bungee-Springens waren Mutproben der Ureinwohner im südamerikanischen und
pazifischen Raum. Die Ureinwohner nannten es „Naghol“. Mutige Männer binden sich
Lianen an die Beine und springen von einem 30 m hohen Turm. Naghol soll eine
reiche Ernte der Yamswurzel garantieren.
Eine Legende besagt, dass eine junge Frau aus Vanuatu (ein kleiner Insel-Staat
im Südpazifik) von ihrem sehr eifersüchtigen Mann verfolgt wurde. Verzweifelt
erklomm sie einen hohen Baum, aber er folgte ihr, bis sie die Spitze erreichte
und da er ihr dicht auf den Fersen war, sprang sie in die Tiefe – in den
vermeintlich sicheren Tod. Als ihr Mann das sah, sprang ihr hinterher, da er
ohne sie nicht mehr leben wollte. Die Frau jedoch hatte ihn getäuscht und
schnell Lianen um ihre Knöchel gebunden. Während ihr Mann starb, retteten sie
diese Lianen. Seit Hunderten von Jahren wird diese Geschichte an den Lagerfeuern
von Bunlap Village auf Pentecost Island erzählt. Und so wurde auch die Tradition
des „Lianensprungs“ von Generation zu Generation weitergegeben. Erst Jahre
später wurde ein ähnliches Ritual im südafrikanischen Raum gesehen.
Von diesem Ritual fasziniert, experimentierte der Oxford University Dangerous
Sports Club in den 1970ern mit Gummibändern, die das Springen ungefährlicher
und somit auch für europäische Waghalsige möglich machen sollte. Am
1. April
1979
sprangen vier Mitglieder dieses Klubs von der 250 Fuß hohen Clifton
Suspension Bridge in
Bristol
- der erste moderne Bungee-Sprung war geboren. Die Springer, darunter David
Kirke, wurden zeitweise festgenommen, konnten das Konzept des Bungee-Springens
jedoch durch weitere Sprünge in den
USA
von der
Golden Gate Bridge
und der
Royal Gorge Bridge
etablieren.
A.J. Hackett
testete mit dem legendären Sprung von der Greenhithe Bridge
1986
erfolgreich das elastische Gummiseil, das extra für den Sprung in die Tiefe
konzipiert wurde. Im
Mai
1987
folgte der berüchtigte Sprung vom
Eiffelturm
in
Paris.
In Deutschland hat im Wesentlichen Jochen Schweizer diesem Extremsport zu großer
Popularität verholfen.

Bungee-Sprung in der Normandie
Physik des Bungees
Bei dem 192 Meter hohen Sprung von der
Europabrücke
in
Tirol
dauert die Fallzeit circa 5 Sekunden, wobei eine Spitzengeschwindigkeit von 120
km/h erreicht wird. Das heißt, dass der Springende ca. 30m pro Sekunde fällt.
Das Bungee-Seil ist dann ungefähr 40 Meter lang. Als Faustregel gilt: Die Länge
des freien Falls beträgt etwa ein Drittel der Sprunghöhe. Dies variiert
allerdings durch das unterschiedliche Körpergewicht der Springer oder
Variationsmöglichkeiten wie Wassereintauchen.
Variationsmöglichkeiten
Durch die steigende Popularität des Bungee-Springens in den letzten Jahren haben
sich stetig mehr Variationen entwickelt. So kann man zum Beispiel zu zweit einen
sogenannten Tandem-Sprung machen. Selbst der Bungee-Sprung aus einem
Helikopter ist möglich. Vor allem ist wichtig, wo das Bungee-Seil am Körper
befestigt ist. Mit dem Fußgeschirr springt man klassisch wie bei einem
Kopfsprung vom Sprungbrett ab. Ist der Gurt jedoch an der Hüfte befestigt, hat
man die Möglichkeit, in der Luft akrobatische Sprungvariationen zu machen, zum
Beispiel
Salti.
Bei Sprüngen von einer Brücke bietet sich teilweise die Möglichkeit, ins Wasser
einzutauchen. Eine Variante des Bungee-Springens ist der Sling-Shot (auch
Bungee-Kugel). Ein offenes Kugelgerüst, das zwischen Masten an vier Sprungseilen
aufgehängt ist, wird nach oben katapultiert und schnellt wieder zurück, dabei
dreht sich die Kugel. In der Kugel befinden sich meist zwei Sitze mit
Beckengurten
und
Sicherheitsbügeln
über den Schultern der Insassen.
Verletzungsgefahr und Richtlinien
Beim Bungee-Springen bestehen einige Risiken für die Gesundheit und das Leben
des Springers. Allerdings ist die Gefahr einer gefährlichen oder tödlichen
Verletzung dabei deutlich geringer als bei den meisten anderen Sportarten.
Technisches Versagen (also Reißen des Seiles) ist die mit Abstand seltenste
Ursache für Unfälle. Dabei wurde in den meisten Fällen ermittelt, dass die
Ursache in einer falschen Lagerung, zu langem Gebrauch oder chemischen
Einflüssen auf das Seil zu finden war. Moderne Bungee-Seile haben deshalb zur
Sicherheit einen Überdehnschutz, der parallel zum Gummiseil angebracht ist und
der im Gegensatz zum Bungee-Seil aus Kunstfasern besteht. Sollte ein so
ausgestattetes Seil reißen, ist allenfalls mit einem härteren Ruck zu rechnen,
nicht aber mit dem Absturz des Springers. Seit Einführung von Bungee-Springen
als Sport sind weltweit weniger als 10 Seilrisse bekannt geworden.

Bungee-Sprung von der Jauntalbrücke
Fahrlässig verursachte Unfälle, z.B. durch ungenügend gesicherte Gurte oder
nicht ordnungsgemäß verschlossene Karabiner, sind in einigen Fällen ebenfalls
gefährlich oder tödlich verlaufen.
Beim ersten
Rebound
nach dem Sprung wird der Springer meist wieder so hoch geschleudert, dass die
Möglichkeit einer Seilberührung besteht. Das Seil kann in solchen Fällen
Abschürfungen, Prellungen oder Striemen verursachen. Vor allem das Gesicht und
der Hals sind besonders empfindlich und müssen in dieser Phase des Sprunges
durch vor das Gesicht gehaltene Unterarme geschützt werden. Diese Haltung
verhindert auch, dass sich das Seil um den Hals schlingen kann und so zu
gefährlichen oder gar tödlichen Verletzungen führen kann.
Verletzungsgefahr besteht in manchen Fällen ebenfalls, wenn der Springer beim
Einsetzen der Verzögerung durch das Seil falsch ausgerichtet ist. Es kann dann
zu einer peitschenden Bewegung des Körpers kommen mit der Folge von Verletzungen
der Wirbelsäule oder der Fußgelenke. Optimal ist es, wenn der Körper möglichst
senkrecht ausgerichtet ist, mit dem Kopf nach unten.
Die Bremsverzögerung bei den in Europa zugelassenen Seilen beträgt ca. 2,5
g
bis 3,5 g. Das ist kein besonders hoher Wert, wirkt aber genau in die
entgegengesetzte Richtung, die normal auf den Körper wirkt. Dadurch steigt der
Blutdruck im Kopf stark an. Dieser Effekt kann noch verstärkt werden, wenn der
Springer gleichzeitig eine Pressatmung ausführt oder laut schreit. Das kann dann
bei dafür veranlagten Springern zu Blutungen in den Augen oder im Kopf allgemein
führen. In den meisten Fällen sind die Auswirkungen reversibel; in seltenen
Fällen sind bleibende Sehschäden/Blindheit die Folge.
Folgende Personengruppen sollten deshalb unbedingt auf Bungee-Sprünge
verzichten: Personen mit Neigung zu Bluthochdruck, Herz- und
Kreislauferkrankungen, nach Schädelverletzungen, psychischen Erkrankungen,
Epilepsie, grünem Star (Augenüberdruck), deformierten Skeletterkrankungen,
Herzschrittmacherträger und Thrombose- sowie Marcoumarpatienten, Schwangeren
sowie schwer alkoholisierte Personen.
Senioren müssen oft ein ärztliches Attest über die Körperverfassung vor dem
Sprung bei dem Veranstalter vorlegen. Jungendliche unter 18 Jahren benötigen
eine Einverständniserklärung ihrer Eltern.
Es bestehen also durchaus Risiken. Durch verantwortungsbewusste Veranstalter,
richtiges Verhalten der Springer und das Beachten eventueller Vorschäden können
ernste Folgen aber vermieden werden.
Unfälle
·
21. Juli
2003
Ein 31-Jähriger verunglückt tödlich, als beim Sprung vom
Dortmunder
Fernsehturm
aus 150 Metern Höhe das Seil reißt. Die Ursache ist ungeklärt; die
Staatsanwaltschaft
geht von einem veralteten Seil aus; das Amtsgericht Dortmund aber schloss sich
dieser These nicht an.
·
10. August
2004
Auf einer Kirmes in
Daun
wird ein 14-jähriges Mädchen aus einer Bungee-Kugel geschleudert und verunglückt
tödlich; eine 16-Jährige wird leicht verletzt. Ursache vermutlich menschliches
Versagen: Die Kugel wurde in Bewegung versetzt, bevor die Verunglückten
gesichert waren.
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